Schulden

Schulden
Installation
2015

Die Installation “Schulden” basiert auf den eigenen Erfahrungen und Gegebenheiten des Künstlers Martin R. Wohlwend und den Beobachtungen und Thesen erläutert im Buch “Why are Artists Poor?” des holländischen Künstlers und Ökonoms Hans Abbing.
Es wird viel über reiche Künstler und hohe Preise von Kunstwerken geredet, aber die große
Mehrheit der bildenden Künstlern ist arm. In Europa haben zwischen 40 bis 60% der Künstler ein Einkommen aus allen Arbeiten, d.h. einschliesslich von Nebentätigkeiten, das unterhalb der Armutsgrenze liegt. Rund 40 % der bildenden Künstler können ihre Kosten nicht decken. Als Beispiel, in den Niederlanden verfügen fast 80% über ein Einkommen unterhalb des niederländischen Mindestlohns.
In Europa verdient der durchschnittliche Künstler circa 40% weniger als der durchschnittliche Arbeitnehmer. Und der Prozentsatz, den er weniger verdient als ein Berufstätiger mit einem ähnlichen Ausbildungsniveau ist wesentlich höher. (Aufgrund der verfügbaren Daten ist es wahrscheinlich, dass, wenn Künstler in Vollzeit in der Kunst arbeiteten, würden rund 60 % weniger als dem Äquivalent der Armutsgrenze verdienen , d.h. 60% könnten überhaupt nicht von der Kunst leben.)
Viele Künstler fühlen sich als Versager und schämen sich dafür. Sie machen sich dafür selbst verantwortlich. Manchmal glauben die Leute, dass Künstler für ihre niedrigen Einkommen kompensiert werden, zum Beispiel in Form von Status und Freude bei ihrer Arbeit. Das kann eine Rolle spielen, aber die meiste Zeit gleicht das nicht die Mühe aus. Viele Künstler schämen sich ihrer Armut und ihres Mangels an Erfolg, auch wenn sie das nicht offen zugeben wollen. Das Elend ist real.
Angehende Künstler kümmert das nicht, aber im Laufe der Zeit beginnen viele Künstler sich als Versager zu fühlen und machen sich selbst dafür verantwortlich nicht gut genug zu sein.
Künstler sollten anderen, anstatt sich selbst die Schuld für ihren Mangel an Erfolg und ihre Armut geben. Nicht, weil andere nur unzureichend an der Kunst interessiert sind, zu wenig Geld für Kunst ausgeben oder Regierungen davon abhalten, mehr Unterstützung für Künstler bereitzustellen, sondern weil Künstler ein Teil eines Systems von Ausbeutung sind, das sie nieder hält.
Politiker und das Verwaltungspersonal in der Kulturförderung tragen im allgemeinen zur Aufrechterhaltung dieses Systems der Ausbeutung bei.
Kunstinstitutionen haben ein Interesse an Armut in der Kunst, weil sie den symbolischen Wert der Kunst und ihre geschmackliche Distinktion erhöht.

Video: https://youtu.be/q19RTMcYeMY